Krippenausstellung

Krippenfreunde fanden sich 13 Jahre lang regelmäßig in der Weihnachtszeit für ein verlängertes Wochenende zusammen, um in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Tirol und Südtirol die dort typischen Weihnachtskrippen und -bräuche zu studieren.

Fasziniert von den unterschiedlichsten Schnitz- und Stilrichtungen verschiedener Epochen, wurde die Gruppe mit ihrem Organisator Dr. Gerhard Maier zu „echten Kripperlfahrern“. Die Idee, in der Vorweihnachtszeit in Miesbach eine Krippenausstellung zu organisieren, konnte der während seiner Amtszeit verstorbene Bürgermeister leider nicht mehr umsetzen. Die Miesbacher Krippenfreunde waren von dieser Idee jedoch so fasziniert, dass sie, wenn auch in überschaubarem Rahmen, in Verbindung mit dem Miesbacher Trachtenverein, diese weihnachtliche Ausstellung zum Leben erweckten. Fred Kölbl, der schon dem Frühjahrssingen und auch dem Adventsingen der Miesbacher Trachtler neuen Schwung verlieh, nahm die Sache in die Hand. Frater Stefan vom Kloster Andechs, ein echtes organisatorisches und künstlerisches Multitalent, hatte die Gesamtleitung der Ausstellung inne. Die handwerklich notwendigen Arbeiten übernahm Stefan Baumgartner, für die Beleuchtung war Stefan Koch zuständig. Beide haben auch zum großen Erfolg der Ausstellung beigetragen.

Die Krippenausstellung über die Weihnachtszeit in der Trachtenhütte erfreute sich einer riesigen Resonanz. Den Reinerlös in Höhe von 500,00 Euro übergab Vorstand Gerhard Eichas an Redaktionsleiter Norbert Kotter für die Merkur-Aktion „Leser helfen Lesern“.

Mit einem, dem Anlass entsprechenden, festlichen Rahmenprogramm wurde die Ausstellung am 10. Dezember 2004 um 19 Uhr im Vereinsheim des Trachtenvereins Miesbach im Beisein mehrerer Ehrengäste eröffnet. Die Krippenfreunde und der Trachtenverein Miesbach als Veranstalter widmeten diese Ausstellung ihrem verstorbenen Freund und Förderer Dr. Gerhard Maier.

 

Krippenverein München

Figuren: Angela Trippi, Sizilien; Terracotta
Bauten: Krippenverein München
Gestaltung: Frater Stefan, Kloster Andechs

Giovanni Matera, der 1653 in Trapani geboren wurde und 1718 in Palermo starb, zählt aufgrund seiner Werke zu den wichtigsten Künstlern im Bereich des Krippenbauens. Er hat sein ganzes Leben der Kunst der „Pastura“ gewidmet. Auch heute noch, nach ungefähr 400 Jahren, benutzen die Kunsthandwerker die Technik des Matera um Figuren herzustellen.

Bei dieser Technik wird wie folgt verfahren: Kopf, Hände und Füße bestehen aus Ton, während die Gewänder aus besonderen Stoffen, die mit Sorgfalt für jede Figur, die sie bekleiden, ausgewählt und abschließend mit Leim kaschiert werden. Nach der „Einkleidung“ wird jede Figur mit Ölfarben sorgfältig bemalt und auf einen Holzsockel befestigt. Auch wenn sich die Motive der Figuren wiederholen, unterscheiden sie sich immer voneinander, da sie vollständig in Handarbeit hergestellt werden und der Gesichtsausdruck, sowie die Bewegungen stets anders ausfallen. Hierdurch wird jedes einzelne Stück, welches vom Künstler signiert wird, noch wertvoller.

Waggi Rehm, Garmisch-Partenkirchen

Figuren: Holz, Josef Hien, Ottobrunn *1927 – + 2016
Stall: Waggi Rehm
Gestaltung: Frater Stefan, Kloster Andechs

Hien war Bildhauer, Schüler und Mitarbeiter von Theodor Gemmerler (1889– 1973)

Charakteristisch für die Figuren von Josef Hien sind die sprechenden Gesichter und die vielsagenden, feingliedrigen Hände, die den Gestalten eine ausdrucksstarke Intensität verleihen. Die Figuren beginnen zu leben, immer bereit zur Kommunikation mit dem Betrachter. Die Figuren wurden von seiner Frau eingekleidet.

Stefan Baumgartner, Miesbach *Teilkrippe

Figuren: Wachs und Holz, um 1780, Figuren der Pfarrkirche Miesbach, restauriert von Stefan Baumgartner
Bekleidung, Bauten und Gestaltung: Stefan Baumgartner

Veronika Pichler, Auerschmiede

Figuren und Stall: Lindenholz, Franz-Xaver Bachmeier,
Hausham (1918 – 1954)
Gestaltung: Veronika Pichler

Fred Kölbl, Miesbach

Figuren: Holz; Lang, Oberammergau
Bekleidung und Bauten: Frater Stefan, Kloster Andechs
Kulisse: Georg Ransberger, Hackling

Sabine Mayerl, Miesbach

Figuren: Holz; Bernardi-Krippe (Barock), Ulrich Bernardi (1925–2016) St. Ulrich/Grödner Tal; Holz
Stall und Gestaltung: Toni Lässer, Zieglhaus

Sein Talent für das Schnitzen wurde schon früh von Bernardis Großvater (Altarbauer) und seiner Großmutter (Schnitzerin von Holzornamenten) erkannt und geprägt. Bernardi besuchte die Zeichenschule in St. Ulrich, wo er drei Jahre lang bei Raimund Mureda und Ludwig Moroder sein Talent ausbaute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft eröffnete Bernardi seine eigene Werkstatt. Er schnitzte Modellfiguren für die Holzschnitzereienfirma ANRI in Wolkenstein. Seine Werke im zeitlosen europäischen Stil wurden auf Ausstellungen in ganz Europa mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Josef Golling, München

Figuren und Gebäude: Holz, Grulich-Kastenkrippe um 1900 restauriert von Josef Golling
Landschaft: Josef Golling, nach alten Vorlagen der Stadt Grulich, Adlergebirge in Böhmen/Sudetenland

Eva Maier, Parsberg

Figuren: Holz, Rupert-Krippe, St. Ulrich/Grödner Tal
Wurzel: aus dem Sulzgraben in Parsberg
Gestaltung: Eva Maier

Der in weiten Kreisen bekannte Künstler Rupert Reindl wurde in Patsch (Nordtirol) am 25.03.1908 geboren (gest. 1990) und hat 20 Jahre als Bildhauerlehrling und Geselle beim berühmten Bildhauermeister und Krippenschnitzer Romed Speckbacher sen. in Thaur gearbeitet. Als er sich nach 1945 selbständig machte, hat er viele einmalige und bekannte Werke, wie die lebensgroße Madonna am Hochaltar in der Pfarrei von Kirchbichl und die Stadtkrippe in Innsbruck geschnitzt.

Bernadette Meixner, Parsberg

Figuren: Wachs, ca. 1920, aus altem Leitzachtaler Bauernhaus
Gestaltung: Bernadette Meixner

Hans Irlbacher, München

Figuren: Holz, Herkunft unbekannt
Stall und Gestaltung: Hans Irlbacher

Martin Lausch, Miesbach

Figuren: Holz, Bernardi-Krippe, Grödner Tal
Stall: Sepp Lausch, Hohenthann (1935 – 2000)
Gestaltung: Werner Lausch, Schönau und Martin Lausch
Kulisse: Alfons Waizmann, Miesbach

Ob seiner sakralen Motive und Putten bekannt, hat Ulrich Bernardi (1935 –2000) sein ganzes Leben dem Zeichnen und Modellieren gewidmet. Kennzeichnend für sein Kunstschaffen ist die Darstellung der europäischen Folklore. Bernardis Figuren fallen durch ihre Schlichtheit und ihren liebenswerten Gesichtsausdruck auf.

Während des Zweiten Weltkrieges schnitzte der gläubige Bernardi für seine Kameraden Madonnen und Kruzifixe. Sein Können als Schnitzer half ihm auch durch die Zeit der Kriegsgefangenschaft.

Elisabeth Kloss, Holzkirchen

Figuren: Holz, aus Italien, Krippe im neapolitanischen Stil
Bauten: Frater Stefan, Kloster Andechs
Bekleidung und Gestaltung: Elisabeth Kloss

Die Zeit der neapolitanischen Krippe war kurz: von 1740 bis 1800, also nur 60 Jahre, danach verschwand diese Art vorübergehend völlig. Eine neapolitanische Krippe aus dieser Zeit ist heute noch im Münchner Nationalmuseum zu finden.

In den neapolitanischen und sizilianischen Krippen erlebte die Entwicklung der Großdarstellungen ihren Höhepunkt. In unerschöpflichen Verwandlungen wurden die Motive ersonnen und nicht selten entfaltete man eine geradezu verschwenderische Pracht, wenn es darum ging, die einzelnen Figuren anzukleiden. Hier waren es besonders die Heiligen Drei Könige und deren Gefolgschaft, die mit allem erdenklichem Prunk ausgestattet wurden.

Außerdem richtete sich das Augenmerk verstärkt auf vielfältige, lebendige Volksszenen. Die absolut naturgetreue und miniaturhafte Ausstattung sowie die ungeheure Fülle von Darstellungen aus dem Volksleben, überwucherten meistens sogar die Hauptszene, nämlich die Geburt und Anbetung.

Inge Niedermeier, München *Teilkrippe

Figuren: Ton, kaschiert, Osterrieder-Krippe
Stall: Sebastian Osterrieder
Gestaltung: Frater Stefan, Kloster Andechs

Sebastian Osterrieder wurde am 20.01.1864 in Abensberg/Niederbayern geboren (gest. 1932). Schon als Kind fing er an, Figuren aus Brotteig zu kneten, später schnitzte er mit einem Taschenmesser und einigen Federmessern und war bald als „Krippenwastl“ bekannt. Da sein Vater aus gesundheitlichen Gründen kaum mehr arbeiten konnte, musste Sebastian acht Jahre lang die väterliche Bäckerei betreiben. Bereits kurz nach dem Tod des Vaters 1888 zog Sebastian nach München, wo er bei Bildhauer Josef Fischer arbeitete, nebenbei besuchte er die Münchner Gewerbe- und Kunstgewerbeschule. Mit 26 Jahren trat er in die Akademie der bildenden Künste bei Professor Wilhelm von Rümann ein.

An die 100 Figuren hat Osterrieder entworfen. Die Körper formte er um Drahtgestelle mit einer selbst erfundenen Modelliermasse aus Leim, Gips, Hasenleim und Kreide, die er „französischen Hartguss“ nannte. Anschließend wurden die 20 bis 30 cm hohen Figuren mit in Leinwasser getränkten farbenfrohen Stoffen bekleidet und bemalt. Teilweise wurden ihnen Glasaugen eingesetzt, um sie noch lebendiger wirken zu lassen.

Das größte Schnitzwerk Osterrieders war die 1913 vollendete Domkrippe für den Mariä- Empfängnis-Dom in Linz mit mehr als 40 Figuren aus Lindenholz. Für den Paderborner Dom schuf er eine ähnlich große Krippe.

Ernst Mittermeier, Miesbach

Figuren und Stall: Holz, Herbert Holzheimer geb. 1952, Langenleiten/Rhön
Gestaltung: Stefan Baumgartner

1966–69 machte Herbert Holzheimer die Ausbildung zum Holzbildhauer an der Holzschnitzerschule in Bischofsheim.
1976–78 besuchte er die Meisterschule für Holzbildhauer in München, die er mit der Meisterprüfung abschloss.
Von 1978–83 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Maria Schmotz, Hausham

Figuren: Wachs, ca. 1920, Geschenk eines Feriengastes beim Staudinger
Gestaltung: Marianne Schmid

1966–69 machte Herbert Holzheimer die Ausbildung zum Holzbildhauer an der Holzschnitzerschule in Bischofsheim.
1976–78 besuchte er die Meisterschule für Holzbildhauer in München, die er mit der Meisterprüfung abschloss.
Von 1978–83 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Marion Kladnik, Bad Tölz

Figuren: Babette Schweizer, Diessen; Zinn
Bekleidung: Elisabeth Kloss
Stall und Gestaltung: Frater Stefan, Kloster Andechs

Weltweit existieren maximal 4 oder 5 vollständige Krippen. Davon ist eine die bei der Ausstellung gezeigte, eine weitere ist im Besitz der Gießerei, eine beim früheren Bischof Stimpfle, Augsburg.

Seit dem Tod der Zinngießerin Babette Schweizer, verstorben 1999 mit 102 Jahren, wird die Krippe nicht mehr hergestellt, da der Guss zu aufwändig ist.

Frater Stefan, Kloster Andechs

Figuren: Holz, Lang, Oberammergau
Bekleidung, Bauten und Gestaltung: Frater Stefan, Kloster Andechs

Die Exponate im Schaukasten

Stehendes Jesulein
Frater Stefan, Kloster Andechs

Monstranz
Frater Stefan, Kloster Andechs

Tonkrippe aus Sizilien
Fred Kölbl, Miesbach

Papierkrippe
Josef Golling, München

Madonnenschrein
Frater Stefan, Kloster Andechs

Steinkrippe, aus mitgebrachten Steinen aus einem Spanien-Urlaub
Alfred Sailer, München

Weitere Exponate im Schaukasten – ohne Abbildung

Stehendes Jesulein
Frater Stefan, Kloster Andechs

Zwei Weihnachtskarten ca. 1900
Frater Stefan, Kloster Andechs

Sternsinger aus der Rhön
Fred Kölbl, Miesbach

Altarbuschen, Arbeit von Elisabeth Kloss
Fred Kölbl, Miesbach

Papierkrippe, bekleidet, ca. 1780
Eva Maier, Parsberg

Gold-Anhänger, Weihnachtsdekoration
Ilse Spermann, Hausham


Papierkrippe
Bernadette Meixner, Parsberg

Fatschenkindl/I um 1900
von einer Klosterfrau, für die Hintergrundverzierung
hat sie ihr Bramerl/Schifferl (Kopfbedeckung) und ihren Ring um den Hals des Kindels verwendet.
Alfred Sailer, München

Fatschenkindl/II, neu, nach alter Vorlage (Kloster Mindelheim)
Alfred Sailer, München

Nandu-Ei mit Zinnfiguren
der Fa. Schweizer, Diessen
Alfred Sailer, München

Hl. Familie
Ilse Spermann, Hausham