Theaterstücke

Theaterstücke

2018: „Die Rumplhanni“

Mit Walter Kohlhaufs-Inszenierung der „Rumplhanni“ – einem Theaterstück von Traudl Bogenhauser nach dem Roman von Lena Christ stand ein Großprojekt auf dem Programm zum Jubiläum „100 Jahre Stadterhebung Miesbach“. Wie sah das Leben der Bevölkerung vor 100 Jahren aus? Lena Christs Roman „Rumplhanni“ spielt in der Zeit vom 05. August 1914 bis 25. Juli 1915 im bäuerlichen Milieu unserer Region. Er lässt mit seiner kraftvollen, sehr bildhaften Sprache voll Witz und Humor eindrucksvoll miterleben, wie die Menschen hier vor hundert Jahren lebten. Christ thematisiert in der „Rumplhanni“ den Weg einer Frau zu einem selbstbestimmten Leben, auf dem Land und in der Stadt.

Rund 50 äußerst talentierte Laienschauspieler brachten das Stück in 21 Szenen auf die Freilichtbühne im Waitzinger Park. Die Konzeption der gewaltigen Land- und Stadtkulissen lag in den Händen von Stefan Baumgartner und Paul Martin, die technische Leitung bei Stephan Rühl und Klaus Beer. Veranstalter waren der Trachtenverein Miesbach und das Kulturamt der Stadt Miesbach. Die acht Vorstellungen (eine Zusatzvorstellung) waren restlos ausverkauft.

Inhalt

Als uneheliches Kind von der Großmutter erzogen, früh im Dienst auf dem Hauser-Anwesen, möchte Hanni um jeden Preis sozial aufsteigen, Bäuerin werden. Der Sohn ihres Dienstherren, der Simmerl, erscheint ihr der geeignete Heiratskandidat. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges, die Einberufung der jungen Männer in den Krieg bringen ihre Pläne in Gefahr. Deshalb möchte sie Simmerl ein Heiratsversprechen abringen, gaukelt ihm eine Schwangerschaft vor.
In Simmerls Abwesenheit möchte Hanni den Hauserbauer dazu bringen, ihr schriftlich die Fürsorge des vermeintlichen Kindes zuzusagen, in Wirklichkeit soll er einen Übergabevertrag unterschreiben. Er entdeckt den Schwindel, wirft Hanni aus dem Haus.
Im Dorf findet sie keine Anstellung mehr. Sie sucht in München Stellung. „Jetzt probier i’s amal z’Münga, und is’s z’Münga nix, nacha geh i auf Berlin. – Wenn’s da aa nix is, nachher roas‘ i ganz furt. In’s Amerika“.
Schließlich arbeitet sie beim Martlbräu. Der Sohn Ferdl soll ihn einmal übernehmen, ihn umgarnt sie. Das Werben des Metzgers Hans wehrt sie ab. Schließlich muss sie ihre Träume begraben, Ferdl ist verlobt. Als er im Krieg fällt, schließlich auch der Vater stirbt, verkauft die Wirtin das Anwesen. Der Metzger Hans ist in der Lage, es zu kaufen. Nun ist sein Werben bei Hanni erfolgreich. Jetzt hat sie alles, was sie sich wünscht:

„A Haus und a Kuah und a Millisupperl in da Fruah!“.

2014: „Der Goggolori“

Goggolore(i) …

 … ist ein im Voralpenland allgemein bekannter Begriff. Das Wort bezeichnet einen unberechenbaren, sprunghaften, aber lustigen und gutartigen Burschen, „auf den koa Verlass net is, dem wo ma aber net unguat sei ko“

Unser Goggolori lebt am Ammersee und treibt als kleiner Geist sein Unwesen. Er kann unterschiedliche Gestalt annehmen und hat über kleines Getier und Vögel große Macht. Allenthalben, den ganzen See entlang treibt er sich rum und liefert so manchen Schabernack mit Mensch und Vieh. Am liebsten aber ist er in Finning.


(Literatur: nach Otto Reuther, Der Goggolore. Becksche Verlagsbuchhandlung, Neuauflage 1963)

„Was a richtiger Goggolori is, der steckt si a Gocklfeder auf’n Huat.“

Die Entscheidung zu diesem Theaterstück fiel bereits im April 2013. Insgesamt waren dafür rund 70 Personen auf den Beinen. Von 30 Rollenschauspielern, dazu rund 25 Statisten, Mitglieder des Kirchenchors und vom Musikverein, Bühnenbauer über Elektriker bis hin zur Maske und Catering für Mitspieler und Publikum. Für den Bühnenbau zeichneten Stefan Baumgartner, Paul Martin und Stephan Rühl. Rund 15 weitere Hilfskräfte werkelten im Hintergrund und halfen so die Aufführung mit abzurunden. Allen sei dafür nochmals herzlich gedankt.

Von der Bayerischen Staatsoper aus München bekamen wir sehr wertvolle Unterstützung durch den Kascheur ² Harald Hajek, der uns Baumruine, Mauer und Maske für die Goggolori-Puppe angefertigt hat. Manuel Kuthan von [freidwerk] gab uns wertvolle Tipps zum Puppenbau.

² Kascheur: Jemand, der plastische Teile der Bühnendekoration (mithilfe von Holz, Leinwand, Pappe, Gips o. Ä.) herstellt (Berufsbezeichnung) – Quelle: duden.de

Inhalt

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges hat der Bauer und Weber Irwing in Finning mit dem Goggolori einen Pakt abgeschlossen: Der Goggolori sorgt für reiches Wachstum, doch dafür soll ihm alle erste Ernte und alles Erstgeborene gehören. Die Eltern bereuen den Pakt, als ihr einziges Kind, ihre Tochter Zeipoth vierzehn Jahre alt ist und Goggolori seinen Preis einlösen will. Die Bauersleute rufen die Ullerin, eine Hexe, zu Hilfe. Doch der Versuch dem Goggolori durch allerlei List beizukommen scheitert.

Die Pest kommt übers Land. Schließlich schenkt Zeipoth in einem heiligen Schwur dem Goggolori ihren eigenen Tod, damit er endlich sterben kann.

Inszenierung des Goggolori durch das Miesbacher Volkstheater

Die Inszenierung erfolgte als reines Schauspiel nach dem Text von Michael Ende. Die wunderbare Musik, die Wilfried Hiller komponiert hat, bedarf eines professionellen Ensembles von Sängern und Musikern, was das Miesbacher Volkstheater nicht zu bieten hat. Endes Text, in einer eigenen urbayrischen Sprache, kommt der Ausdrucksweise und Lebensart der Laienschauspieler sehr entgegen. Somit wagt die Truppe den Sprung in ein anspruchsvolles Theaterstück, hineingestellt in die wunderbare Anlage der Freilichtbühne am Waitzinger-Keller unterhalb der Trachtenhütte.

2008 und 2010: „Der wilde Jager von Gmund“

Mit der Inszenierung des Jäger- und Wildererdramas „Der wilde Jager von Gmund“ aus der Feder von Georg Stöger-Ostin, ehemals Gönner und Mentor des Trachtenvereins Miesbach, nahm das „Miesbacher Volkstheater“ seinen Theaterbetrieb wieder auf. Es knüpfte an das letzte im alten Waitzinger Keller aufgeführte Stück des Heimatdichters an.

Kaum ein Autor drückt unsere bairische Mentalität besser aus als Georg Stöger-Ostin (1874 – 1965). Er wurde in der damaligen Gemeinde Ostin am Tegernsee als Sohn eines Tagelöhners geboren. Später lebte er in Miesbach und war über 30 Jahre Lokalredakteur beim Miesbacher Anzeiger. Kurze Erzählungen, deren Motive er dem Bauernleben entnahm, fanden so guten Anklang, dass er sich fortan intensiver der Schriftstellerei widmete. Er schrieb über 60 Romane, etwa 100 Kurzgeschichten und mehr als 20 Bühnenstücke. Georg Stöger-Ostin war ein Volksschriftsteller, der trotz seines Erfolges bescheiden und einfach blieb und das Bauern- und Landleben durch seine persönliche Erfahrung ausgezeichnet beschreiben konnte. Wer also konnte besser geeignet sein für den Start der Miesbacher Freilichtbühne!

Auf Wunsch des Publikums haben wir 2010 den wilden Jager wiederholt.

Inhalt

1815 kommt der königliche Revierförster Johannes Mayr an den Tegernsee. Er ist eine Furcht erregende Erscheinung und fackelt nicht lange, wenn ihm ein Wilderer vor die Büchse kommt. Neun Burschen müssen ihr Leben lassen, ehe mit dem zehnten Opfer, dem unschuldigen Mentensepp das Drama seinen endgültigen Lauf nimmt. Die Freunde des Mentensepp wollen diesen Mord nicht ungesühnt lassen und schwören, die Tat grausam zu rächen. Besonders schwierig wird es nun für den neuen Forstgehilfen Riesch, der sich in die Bauerntochter Gretl verliebt hat. Gretl bekniet Riesch, seinen Försterberuf aus Liebe zu ihr an den Nagel zu hängen und Bauer zu werden. Ihr Vater würde dann auch nichts mehr gegen diese Verbindung einzuwenden haben. Rieschs Liebe ist so groß, dass er schwört, seinen Beruf aufzugeben. Doch da taucht Mayr auf und schimpft Riesch einen Feigling, der bloß vor den Wilderern Angst hat und sich drücken will. Riesch ist ein stolzer, junger Mann, der sich nicht einen Feigling nennen lässt. Und so entscheidet er sich, noch einige Wochen zu bleiben, bis im Forst alles in Ordnung ist, um dann nur noch für Gretl da zu sein. Doch die Rachsucht der Burschen ist noch nicht gestillt. Sie locken Mayr und Riesch eines Nachts in einen Hinterhalt, Riesch wird dabei getötet, Mayr zum Krüppel geschlagen. Verzweiflung und Kummer bestimmen von nun an Gretls und Anna Mayrs Leben. Mayr erholt sich von diesem Überfall nicht mehr. Erst nach vier Monaten schwerer Leidenszeit stirbt er. Das Mitleid der Bevölkerung hält sich in Grenzen. Zunächst trägt sein Grabstein keine Inschrift.

Die Handlung führt an Orte wie das Jagerhaus in Gmund, ans Eckard-Kreitl, „Im Grund“ (zwischen Louisenthal und Miesbach, wo heute noch eine Gedenktafel an das schlimme Ereignis erinnert), nach Schweinthal übern Tölzer Berg zum Pechler (in unmittelbarer Nähe zur Freilichtbühne), einer früheren Einkehr in Miesbach.