Miesbacher Frühjahrssingen

Chronik

1963
Erstes „Frühjahrssingen in Miesbach“

1963 führte Hansl Leidgschwendner (†05.2012) als 2. Vorstand des Trachtenvereins das Frühjahrssingen im Waitzinger-Kellersaal in Miesbach mit mäßigem Erfolg ein. Der Parsberger Volkssänger Sepp Sontheim (†10.1978) ermunterte Hansl immer wieder zum Weitermachen.

1964–1972
Tobi Reiser in Miesbach

Der Waitzingerkeller war in den letzten Jahren bis zum letzten Platz gefüllt. Als 1970 erstmals Tobi Reiser mit seinen Musikanten durch Sepp Sontheim nach Miesbach kam, musste man viele Freunde der Volksmusik heimschicken.

1971 zog man in die Oberlandhalle des Zuchtverbandes um. Unter den 1300 Zuhörer war auch Wastl Fanderl. Sepp Sontheim sang ein altes Fiakerlied.

Das Frühjahrssingen wurde vom BR, vertreten durch den früheren Leiter der Volksmusikabteilung, Karl List, aufgezeichnet.

Zum 10. Miesbacher Frühjahrssingen 1972 traten 16 Musik- und Gesangsgruppen auf, u.a. die Fischbachauer Sängerinnen, die Pienzenauer Sänger, die Brüder Rehm, die Riederinger Sänger und die Gerstreit Musi mit dem Häusler Hias. Den Nachwuchs repräsentierten die beiden Miesbacher Jugendgruppen, betreut von Uschi Gschwendtner.

1973–1979

In den Jahren 1973 bis 1978 fanden jeweils zwei Aufführungen (14.00 und 20.00 Uhr) statt. Neu war 1974 die Kulisse „Miesbach um 1850“ von Kunstmaler Sepp Stallhofer.

Ab 1979 gab es nur noch ein Singen am Samstagabend. Besonders gedachte man des 1978 verstorbenen Volkssängers Sepp Sontheim mit einer Gedenkminute und einer Tonbandaufnahme von ihm mit den Lied „Jetzt fangt das schöne Frühjahr an“.

1980–1986

1982, zum 20. Frühjahrssingen hatte Hansl Leidgschwendner 22 Gruppen: vier Nachwuchs-, fünf Musik- und 13 Gesangsgruppen eingeladen. Die Oberlandhalle war brechend voll.

1985 gedachte man mit einem ergreifenden Jodler der Geschwister Estner der verstorbenen Uschi Gwendtner.

1986 waren erstmals über der Bühne die Bilder von Sepp Stallhofer zu sehen: Kiem Pauli und die ersten Volkssänger des Oberlandes – Sepp Sontheim, Peps Burda, Luis Treichl und Karl Vögele.

Vom tragischen Unfalltod der Volkssängerin Leni Stögmeier von den Geschwistern Röpfl, die an diesem Abend auftreten sollten, wurde das Frühjahrssingen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Oberlandhalle überschattet. Zum Gedenken trugen die Inntaler Sänger das innige Lied vor „Dank ma für an jeden Tag, der ins g’sund ist geschenkt.“

1987–1992

Beim 25. Frühjahrssingen bekam Hansl Leidgschwendner von Bürgermeister Hans Schuhbeck den Ehrenteller der Stadt Miesbach überreicht.

Zum 30. Jubiläum wurden 25 Volksmusik- und Gesangsgruppen vom Werdenfelser und Allgäuer Raum, dem Isarwinkel und vom Miesbacher Oberland eingeladen.

(Foto: Brüder Rehm)

1993–1999

Nach 31 Jahren saß Hansl Leidgschwendner im Publikum. Für Hansl gab Walter Zainer aus Otterfing seinen Einstand.

Die Jahre zeichneten sich mit sehr schwachem Besuch aus. Im Raum stand aufzuhören oder in einen kleineren Saal zu gehen. Nach der Veranstaltung 1999 fragten der 1. Vorstand Stefan Baumgartner, Ehrenvorstand Ernst Mittermaier und Kantinenwirt Klaus Zwickl Fred Kölbl, ob er sich die künftige Organisation des Frühjahrssingens vorstellen könnte? Fred sagte zu.

 

2000
25.03.2000

2000 erlebte die Oberlandhalle einen Ansturm, nicht einmal ein Stehplatz war mehr zu ergattern. Ein großartiger Einstand für Volksmusikwart Fred Kölbl. Mit humorvollen Erzählungen und Geschichten führte Moderator Willi Großer durch den Abend.

2001–2003

Eröffnet wurde 2001 das Frühjahrssingen von den Grazer Jungsteirern.

2002, das 40. Singen und Musizieren wurde vom Radiosender Bayern 1 und dem Landesstudio Salzburg des ORF übertragen.

Mit gut 1400 Besuchern war die Oberlandhalle auch 2003 restlos ausverkauft. Der Miesbacher Merkur schrieb: 
„Das Frühjahrsingen stellt die traditionsreichste Veranstaltung Bayerns dar.“ 

Caroline Koller vom ORF Salzburg führte durch das abwechslungsreiche Programm mit sechs Instrumental- und Gesangsgruppen der Extraklasse, darunter die Alt Matreier Tanzmusik.

2004
13.03.2004

Mitreißend spielten die Tanzgeiger auf. Sie steigerten mit schier atemberaubender Geschwindigkeit einen feurigen Czardas zu einem furiosen Finale.

Der Chef der Volksmusik im ORF Salzburg Wolf Dietrich Iser war unter den Ehrengästen. Radio Alpenwelle sendete das Frühjahrssingen.

(Foto: Rudi Pietsch)

2005–2006

Die Biegel-Kinder aus Miesbach durften 2005 den Abend eröffnen.

Elisabeth Rehm-Wank führte 2006 durch den Abend. Zusammen mit ihrer Schwester Steffi und ihren Eltern sorgte der Familiengesang Rehm, das Tobi-Reiser-Ensemble u.a. für beste Qualität.

2007
24.03.2007

Die Alt Matreier, die Citoller Tanzgeiger und die Rotofenmusi brachten die Anwesenden in Schwung. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz wurde vom Chef der Citoller Tanzgeiger, Hermann Härtel, zu einer flotten Polka geführt. Auch dieser Abend war ein voller Erfolg mit zahlreichen Zugaben und kaum endendem begeisterten Beifall.

(Foto: Fred Kölbl mit Hansl Klaunzer)

2008–2010
2008–2010

Beim 46. Frühjahrssingen wirkten die Jungen Ramsauer Sänger, die Jodlergruppe Hindelang, die Blasmusik der Jungen Riederinger, die Südtiroler 6er Musi und das Hans Berger Ensemble mit.

2009 war das Singen und Musizieren bereits Mitte Januar ausverkauft. Der Moderator des Abends und Leiter der Wiltener Musikanten Dr. Peter Koster vom ORF Tirol hatte den „Miesbacher Frühjahrslandler“ komponiert und führte ihn mit seinen Wiltenern auf.

Ein paar Tage vor Weihnachten 2009 drohte das Dach der Oberlandhalle einzustürzen. Die Halle wurde kurzfristig vom Landratsamt gesperrt. Zur Stabilisierung wurden 18 mächtigen Stützen vom Zuchtverband eingebaut. Die Sicht wurde dadurch erheblich beeinträchtigt und die Sitzplätze reduziert. Trotz unserer Bedenken ließen uns 2010 unsere Stammzuhörern nicht im Stich! Peter Kostner fühlte sich sichtlich wohl bei seiner Führung durchs Programm mit den Grödnerinnen „De Cater“ (Ladinisch, „Zu Viert“), der Innleiten Geigenmusi u.a.

2011
24.03.2011

Das Frühjahrssingen war angemeldet, alle Eintrittskarten verkauft, die Halle geputzt, der Aufbau in vollem Gange, da kam am Donnerstag-Nachmittag ein Bescheid vom Landratsamt: Wegen dem Brandschutz und der Versammlungsstättenverordnung kann das Frühjahrssingen nicht durchgeführt werden. Mit Hilfe des Kreisbrandrats Michael Röhrl und Feuerwehrkommandant Walter Fraunhofer konnte in allerletzter Minute doch noch die Veranstaltung stattfinden.

Die acht Inntaler auf der Empore eröffneten am 26. März 2011 mit einem schneidigen Marsch die Veranstaltung. Ausgiebigen Applaus gab es für die Gruppen und herzhaftes Gelächter über die muntere Moderation von Peter Kostner. Mit sauberem, gekonntem Spiel auf ihren Flügelhörnern begeisterten die 13jährigen Oberleitner-Zwillingsbrüder aus Going.

2012

Der Zuchtverband konnte die Oberlandhalle nur noch bis Ende 2014 für Veranstaltungen nutzen. Dies hat die Oberste Baubehörde im bayerischen Innenministerium mitgeteilt. Eine Sanierung der Halle kommt keinesfalls mehr in Frage, es wird ein Neubau an einem anderen Standort errichtet. Die Brandschutz-Problematik blieb beim Trachtenverein hängen. Nur durch den Bau von zwei Außenfluchttreppen werden die Auflagen des Landratsamtes erfüllt.

In wahnsinnig vielen Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern, des Patenvereins Gotzing, der Miesbacher Feuerwehr und des THWs wurden die beiden Treppen geschafft. Fürs Material (Holz, Verbundplatten, Sicherheitsmatten für die Notausgänge usw.) fielen Kosten von rund 3000,– € an. Für diese Ausgaben gab ein Vereinsmitglied einen zweckgebundenen Zuschuss von 700,– €.

2012
24.03.2012

Für das 50. Jubiläumssingen hatte sich Organisator Fred Kölbl mächtig reingehängt, um allen einen unvergesslichen Abend zu schenken. Nach drei Wochen war das Frühjahrssingen ausverkauft.(Foto: Elisabeth Rehm und Peter Kostner)

Leider konnte der schwer kranke Hansl Leidgschwendner am Jubiläumsabend nicht teilnehmen.

Peter Kostner spielte nicht nur mit seinen Wiltenern schneidige Blasmusik, er führte auch mit Elisabeth Rehm-Wank durch das Programm. Er überreichte Vorstand Stefan Baumgartner als Geburtstagsgabe die Noten seines „Miesbacher Trachtenvereins-Marsches“, dessen Premiere das fast vierstündige Volksmusik-Feuerwerk krönte. Zum Jubiläum brachte Fred Kölbl das Unterinntaler Harfentrio (Bild) nach 20 Jahren Pause wieder zusammen.

Von den acht erlesenen Gesangs- und Instrumentalgruppen wären noch der Haushamer Bergwachtgsang (Foto links), der Familiendreigsang Rehm, der Thalpichler Dreigsang, „Die Gfierigen“, die Hohenaschauer Musikanten und die Südtirol Bayerischen Musikanten namentlich zu nennen. Unter den Ehrengästen war Stefan Frühbeis, Redaktionsleiter des BR Abteilung Volksmusik. Der Bayerische Rundfunk sendete das Frühjahrssingen auf Bayern 1. Das 50. Jubiläum endete mit einem enthusiastischen Beifall.

Bei der Jubiläumsveranstaltung erhielt Volksmusikwart Fred Kölbl von 1. Bürgermeisterin Ingrid Pongratz die Bürgermedaille der Stadt Miesbach.

Nachfolgend das Protokoll des Kulturamtes Miesbach vom 26.03.2012:

Verleihung der 2. Miesbacher Bürgermedaille an Alfred Kölbl
Anlässlich des 50. Miesbacher Frühjahrssingens am Samstag, 24. März 2012 verlieh Bürgermeisterin Ingrid Pongratz die zweite Miesbacher Bürgermedaille an Alfred Kölbl. Er ist seit mehr als dreißig Jahren in der Heimat- und Brauchtumspflege engagiert und wirkt neben vielen anderen Tätigkeiten seit dem Jahre 2000 beim Trachtenverein Miesbach als Volksmusikwart. Herrn Kölbl ist es gelungen, aus dem traditionellen Miesbacher Frühjahrssingen- und musizieren und dem Miesbacher Adventsingen mit Hirtenspiel renommierte Brauchtumsveranstaltungen zu formen, die nicht nur hochkarätige Mitwirkende aus nah und fern einbeziehen, sondern auch Besucher von weither in den Landkreis Miesbach locken. Herr Kölbl ist nicht nur ein leuchtendes Beispiel für ehrenamtlichen Einsatz, er wird durch die Organisation unverwechselbaren Brauchtums auch für den ganzen Landkreis Miesbach touristisch wirksam. Seinen großen persönlichen Einsatz und sein stets bescheidenes, sympathisches Wirken im Hintergrund belohnt die Stadt Miesbach daher mit der Verleihung ihrer neu geschaffenen Bürgermedaille.

 

2013
23.03.2013

Mit der Veranstaltung 2013 verabschieden sich der Trachtenverein und die Volksmusikfreunde nach insgesamt vier Jahrzehnten von ihrem „Kolosseum“. So nannte Moderator Stefan Semoff vom Bayerischen Rundfunk die alte Versteigerungshalle.

Hansl Leidgschwendner war am 27.05.2012 verstorben. Ihm widmete Semoff die Musikstücke zwischen seinen launigen Moderationen. Das zwölfjährige Stubaier Dirndl Anna-Lena Larcher ließ die Finger beim „Reaseler Marsch“über die Harfe tanzen. Das Publikum applaudierte auch begeistert den Geschwister Schabmair, den drei Perlseer Dirndl, dem Rimstinger Viergesang, der Kirchleitn Saitenmusi, der Kirnstoaner Tanzlmusi, der Südtiroler Tanzlmusig und bei den sieben Äff-tam-tam-Musikanten aus dem Bayerischen Wald.

Das Miesbacher Frühjahrssingen präsentierte der Bayerische Rundfunk auf Bayern 1 in drei Teilen.

2014
05.04.2014

Für den Trachtenverein bedeutete die neue Halle eine Umstellung. Die alten Kulissen passen nicht mehr, man kann nichts mehr aufhängen. Wir mussten einen neuen Sitzplan erstellen, den künftig auch der Zuchtverband verwendet. Auf Wunsch des Zuchtverbandes brachten Elisabeth Kloss und Fred Kölbl auf den Rücklehnen der Bänke Nummernschilder an, die auf Dauer dranbleiben.

Eine Woche nach der Einweihung der neuen Halle ging das traditionelle Frühjahrssingen und -musizieren über die Bühne. Karten gab es seit Monaten nicht mehr. Die Vorverkaufsstelle Textil + Betten Thoba führte sogar eine Warteliste.

Acht Gruppen aus Nah und Fern begeisterten die Zuhörer. Das Mädchen-Quartett „Meedle“ aus Appenzell (Foto) in Tracht beeindruckte mit frischen, klaren Stimmen, kräftigen Jodlern und traditionellen oder humorvollen Liedern.

2015
21.03.2015 – 53. Frühjahrssingen

Um die große Kartennachfrage erfüllen zu können, wurde eine zusätzliche Reihe ganz oben in der Arena geschaffen. Dennoch konnten mit den 1232 Plätzen nicht alle eine Eintrittskarte bekommen. Für das letzte Frühjahrssingen unter seiner Leitung engagierte Fred Kölbl 10 Gruppen. Bei dem fast vierstündigen Programm waren die Moderatoren der letzten Jahre, Caroline Koller, Elisabeth Rehm, Dr. Peter Kostner und Stefan Semoff in verschiedenen Funktionen mit auf der Bühne anwesend. Wegbegleiter der ersten Stunde, wie die Familie Rehm oder die einstige „Jungsteirerin“ Ursula Holzer dankten Fred Kölbl für sein unermüdliches Wirken mit Extra-Ständchen. Der Zwölfjährige Philipp Berktold aus dem Oberallgäu jodelte sich mit eigener Harmonika-Begleitung zum Applaus-Liebling.

Von 2012 bis 2015 hat der BR die Frühjahrssingen aufgenommen und in Bayern 1 bzw. ab 2015 auf BR-Heimat gesendet. Eine gute, kostenlose Werbung für den Trachtenverein und Miesbach.

Von 2000 bis 2015 war Volksmusikwart Fred Kölbl für das Miesbacher Frühjahrssingen und ebenso für das beliebte Miesbacher Adventsingen verantwortlich. Mit Fleiß, neuen Ideen, aber auch mit viel Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Gruppen und bei der Programm-Zusammenstellung ist es Fred Kölbl gelungen, zwei renommierte Brauchtumsveranstaltungen zu formen und Besucher von weither in den Landkreis Miesbach zu locken. Beide Veranstaltungen sind feste Größen im kulturellen Leben der Kreisstadt. Das Frühjahrssingen zählt mit zu den traditionsreichsten im gesamten Alpenvorland. An dieser Stelle bedankt sich der Trachtenverein Miesbach nochmals bei unserem ehemaligen Volksmusikwart Fred Kölbl für sein außerordentliches Engagement.

Aus Altersgründen gab Fred Kölbl sein Amt 2015 nach dem 53. Frühjahrssingen ab.

2016–2021

2016 übernahm  die Organisation vom Miesbacher Frühjahrssingen.

Ab 2016 nahmen die Gäste kontinuierlich ab. 2019 wurde festgelegt, in Zukunft das Singen im Waitzinger Keller zu veranstalten.

Wegen Corona musste das 58. Frühjahrssingen und Musizieren 2020 und 2021 ausfallen.

(Foto: Setzberg Gitarrentrio)