Goasslschnalzen

Das Goáßlschnalz’n

[goassl schnalzn]

ist ein überlieferter bayerisch-österreichischer Brauch. Der Name erklärt sich aus der Bezeichnung für die Fuhrmannspeitsche – der Geißel – im bayrischen Dialekt „Goaßl“. „Schnalzen“ bezeichnet das laute und schnelle, rhythmische Krachen oder Knallen mit der Geißel.

In früheren Jahrhunderten wurde von vielen Fuhrleuten bei der Einfahrt in Ortschaften oder bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Peitsche geknallt. Zur Unterscheidung der Fuhrwerke setzten die Fuhrleute immer spezifischere Knallfolgen ein. So entstanden bestimmte Schlagfolgen und -arten, wie der Vorhandschlag, der Rückhandschlag und der Doppelschlag, später auch „die Triangel“. Im Laufe der Zeit entstanden so richtige Erkennungsmelodien, wobei einzelne Fuhrleute beachtliche Geschicklichkeiten entwickelten.

Beim Zentrallandwirtschaftsfest in München bilden zahlreiche Sonderveranstaltungen Anziehungspunkte für Besucher aus Stadt und Land. So war 1963 am 2. Oktoberfestsonntag erstmals ein Preisschnalzen am Vormittag angesetzt, bei dem sich etwa 30 Einzelschnalzer angemeldet hatten. Darunter sechs Priener, die sich zusätzlich auch als Gruppe angemeldet hatten und die als einzige mit Musik und deshalb außer Konkurrenz antrat. Das Publikum war begeistert.

Als 1966 zum nächsten Landwirtschaftsfest in München eingeladen wurde, war neben dem Einzelschnalzen auch ein Gruppenschnalzen ausgeschrieben. Das Schnalzen in dieser Form fand großen Anklang. Das Priener Vorbild mit dem Schnalzen nach Musik machte bald Schule und kurz darauf gab es Nachahmungen.

Um 1970 machte sich der Waitzinger Brauereidirektor Hanns K. Hefter Gedanken, neue Programmpunkte für das Miesbacher Volksfest zu entwickeln. Der Haushamer Volksfestreferent Sepp Schuster gab seine Idee Goaßlschnalzer auftreten zu lassen an Dr. Gerhard Maier weiter. In Absprache mit Trachtenvereinsvorstand Ernst Mittermaier wurde die Idee des Goaßlschnalzerwettbewerbs mit dem Trachtenverein Miesbach als Ausrichter verwirklicht.

Am 02.07.1972 wurde das erste Goaßlschnalzen als Vergleichs-Schnalzen ausgeschrieben. Zu der Veranstaltung kamen 5 Gruppen. Es waren Schnalzer aus Agatharied, Endorf, Hundham, Kreuth und Waakirchen. Da aber diese wenigen Gruppen nicht für ein Vormittagsprogramm ausreichten, wurde es durch ein Rahmenprogramm mit Gesang, Musik, und Plattler ergänzt.

Niemand hatte den großen Besucherandrang erwartet. An die tausend Zuschauer bzw. Zuhörer füllten am frühen Morgen die Oberlandhalle.

1973 – 1977: Da der Anklang des ersten Vergleichsschnalzen so groß war, entschloss man sich zur Fortführung.

Die Zahl der Teilnehmergruppen und der Mitwirkenden nahm bald zu. Waren es 1972 erst 5 Gruppen, so kamen 1973 bereits 11, 1974 war ein leichter Rückgang auf 9 Gruppen zu verzeichnen, dann aber ging es aufwärts: 1975 mit 10 Gruppen, 1976 mit 17 Gruppen und 1977 mit 23 Gruppen. Die fünf Schnalzer aus Prien, die 1973 knapp unterlegen waren, verwiesen 1974 den Vorjahres-Sieger Agatharied auf den zweiten Platz.

Vorstand Ernst Mittermaier, der im Namen des Miesbacher Trachtenvereins Landrat Wolfgang Gröbl, 1. Bgm. Hans Schuhbeck und 2. Bürgermeisterin Hilde Nachbar, Haushams Bürgermeister Anton Weilmaier, MdL Martin Erhardt von Holzkirchen, den Volksschauspieler Ludwig Schmid-Wildy sowie den Volkssänger Sepp Sontheim begrüßen konnte, war davon angetan, dass sich das Vergleichsschnalzen zunehmender Beliebtheit beim Publikum und bei den Schnalzern erfreute.

1977 wurde erstmals die „Goldene Goaßl“, ein Hutabzeichen, als Siegespreis für alle erstplatzierten Schnalzer und Musiker vergeben. Weiter wurde erstmals als Wanderpreis für die Siegesgruppe ein Pokal mit der „Goldenen Goaßl“ über einem Wagenrad mit Lorbeerkranz ausgesetzt.

Den krönenden Abschluss bildete 1978 das Massenschnalzen, zu dem sämtliche Teilnehmer antraten. Zum ersten Mal schnalzten alle Goaßlschnalzer gemeinsam die Amboßpolka.

Seit 1979 sind als Begleitmusik höchstens 3 Musiker zulässig. Zur Straffung der Veranstaltung gibt es nur noch einen Durchgang und die Schnalzerdauer wird auf höchstens 3 Minuten festgelegt. Der Wanderpreis, ein Pokal mit der „Goldenen Goaßl“ auf einem Sockel, wird auch nach mehrmaligem Gewinn nicht an eine Gruppe fest vergeben.

1989 beim 18. Goaßlschnalzen vom Volkstrachtenverein Miesbach am Sonntag, 2. Juli, in der Oberlandhalle war neu, dass damit die „1. Bayerische Meisterschaft“ eingeführt wurde. 36 Gruppen schnalzten um die wertvollen Bleikristall-Pokale für die drei Erstplatzierten. Die „Hochberger“ aus Traunstein waren siegreich.

 

(Foto mit Pokalen)

 

1989: Sieger der 1. bayrischen Meisterschaft, Hochberger/Traunstein

 

 

1991 fand bereits zum 20. Mal das Miesbacher Goaßlschnalzen statt, das zu den bekanntesten in ganz Bayern zählte. Anlässlich dieses runden Jubiläums hat sich Dr. Gerhard Maier, Ehrenmitglied des Miesbacher Trachtenvereins ein besonderes Jubiläums-Geschenk ausgedacht. Er gab ein Buch mit dem Titel

„Das Miesbacher Goaßlschnalzen – Entstehung, Organisation, Teilnehmer“

heraus. Dieses Buch mit rund 300 Seiten und 310 Bildern zeigt die Entstehung eines lebendigen Brauchtums -des Goaßlschnalzens in Gruppen mit Musik- durch die „Priener“ 1963 und die Gestaltung durch die Miesbacher Organisatoren ab 1972 auf. Insgesamt 82 Schnalzer-Gruppen werden in dem Buch vorgestellt, das innerhalb von 10 Tagen ausverkauft war. Nach dem Willen des Verfassers soll das Buch eine Rarität bleiben; eine weitere Ausgabe wird es nicht geben.

Am 29. Jun 2003 fand das 32. Goaßlschnalzen verbunden mit der 15. Bayerischen Meisterschaft letztmals mit dem Miesbacher Trachtenverein als Ausrichter statt. Bei den nur noch 14 teilnehmenden Schnalzergruppen wurde wieder Rekordmeister Traunwalchen Bayerischer Meister. Gewertet wurde wie immer nach den „Miesbacher Richtlinien“, die sich in all den Jahren bewährt haben.