Goasslschnalzen

Das Goáßlschnalz’n [goassl schnalzn] – ist primär ein überlieferter bayerisch-österreichischer Brauch. Der Name erklärt sich aus der Bezeichnung für die Fuhrmannspeitsche – der Geißel – im bayrischen Dialekt “Goáßl“. “Schnalzen” bezeichnet das laute und schnelle, rhythmische Krachen oder Knallen mit der Geißel.

In früheren Jahrhunderten wurde von vielen Fuhrleuten bei der Einfahrt in Ortschaften oder bei anderen Gelegenheiten mit der Peitsche geknallt. Zur Unterscheidung von anderen Fuhrwerken, setzten die Fuhrleute immer spezifischere Knallfolgen ein. So entstanden bestimmte Schlagfolgen und -arten wie der Vorhandschlag, der Rückhandschlag und der Doppelschlag. Später auch „die Triangel“. Im Laufe der Zeit entstanden so richtige Erkennungsmelodien, wobei einzelne Fuhrleute beachtliche Geschicklichkeiten entwickel- ten wozu sie auch in ihrer Freizeit (meist im Winter wenn nicht gefahren werden konnte) mit der Peitsche übten.

Im Gegensatz dazu ist im salzburgisch-bayerischen Rupertiwinkel, im angrenzenden Flachau sowie in Nord- und Südtirol diese “Sport-Art” ebenfalls anzutreffen – jedoch Ursächlich als heidnischer Brauch. Denn der Zweck war es früher, durch den Lärm der “Goaßln” (Peitschen) den Winter mit seiner Kälte zu vertreiben.

Mit dem Aperschnalzen [aper, althochdeutsch apir = offen, unbedeckt] sollte die kalte Jahreszeit vertrieben werden und die guten Geister, also der Frühling und die Sonne sollten so geweckt werden, damit es im Jahresverlauf eine gute und reichhaltige Ernte auf den Feldern gab.

  • Heute werden Wettbewerbe im Goaßlschnalzen sowohl im Einzel und auch in der Gruppe veranstaltet. 1989 wurde das traditionelle und berühmte „Miesbacher Goaßlschnalzen“ zur „Bayerischen Meisterschaft im Goaßlschnalzen“ erhoben. Für das Goaßlschnalzen selbst gelten „die Miesbacher Richtlinien“.
    2003 fand das letzte 32. Miesbacher Goaßlschnalzen mit der 15. Bayerischen Meisterschaft in Miesbach statt, welches durch den Trachtenverein Miesbach ausgerichtet wurde. Durch Beschluß durch die Goaßlschnalzergruppen wurde danach der Wettbewerb auf 3jährlich abwechselnde Standorte verteilt. 2010 fand in Miesbach das letzte Goaßlschnalzen durch den Trachtenverein statt. a
  • Im Rupertiwinkel und angrenzenden Salzburger Flachgau findet zum Fasching das so genannte Aperschnalzen statt.
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  • Beim Wolfauslassen im Bayerischen Wald wird ebenfalls mit einer Peitsche geknallt, die jedoch deutlich größer ist als die eines Fuhrmanns.
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  • Im Karwendelgebiet & Isartal in Bad Tölz bildet den Abschluss der berühmten Leonhardifahrt das Leonhardidreschen (Goaßlschnalzen) in der Tölzer Markt-straße.